Rankwitz diskutiert über Entwicklungsziele | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Was wurde bei der Bürgerversammlung am 4. Juli besprochen?

Rankwitz diskutiert über Entwicklungsziele

Mehr als 50 Einwohnerinnen und Einwohner waren am 4. Juli der Einladung des Bürgermeisters zur Bürgerversammlung im Rankwitzer Hof gefolgt. Im Mittelpunkt stand die Frage: Wie soll sich unsere Gemeinde in den kommenden 10 bis 15 Jahren entwickeln?

Der Ausschuss für Gemeindeentwicklung, der im Auftrag der Gemeindevertretung über wichtige grundsätzliche Themen der Gemeinde berät, stellte dabei erste vorgeschlagene Entwicklungsziele und Leitplanken vor. Entwicklungsziele sollen der Gemeindevertretung künftig als gemeinsame Orientierung dienen – bei Entscheidungen, bei der Entwicklung neuer Vorhaben und bei der Frage, welche Projekte für die Zukunft unserer Gemeinde besonders wichtig sind. Voraussetzung dafür ist, dass sie von möglichst vielen Einwohnerinnen und Einwohnern mitgetragen werden.

Die Vorschläge sind das Ergebnis zahlreicher Gespräche mit Einwohnern, Vereinen und anderen Akteuren sowie der Ideen, die unter anderem beim Gemeindefest und auf dem Weihnachtsmarkt gesammelt wurden. Jetzt sollen sie gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern weiterentwickelt werden.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde außerdem ein Blick auf die aktuelle Situation unserer Gemeinde geworfen. Dabei wurden Stärken und Herausforderungen deutlich:

  • Wir werden weniger und älter.

  • Unsere Gemeinde verfügt über eine außergewöhnlich attraktive Natur- und Kulturlandschaft und ist ein beliebtes Ziel für Gäste und Zweitwohnungsbesitzer. Tourismus ist mittlerweile ein wichtiger Faktor in unserer Gemeinde.

  • Gleichzeitig fehlen Arbeitsplätze und Dienstleistungen vor Ort, bezahlbarer Wohnraum wird knapper und die Mobilität bleibt eine große Herausforderung.

  • Positiv hervorzuheben sind das große ehrenamtliche Engagement vieler Einwohnerinnen und Einwohner sowie die solide finanzielle Situation der Gemeinde.

Aus den bisherigen Anregungen wurden drei vorgeschlagene Entwicklungsziele abgeleitet:

  1. Attraktives Lebensumfeld für alle Einwohnerinnen und Einwohner

  2. Ein gutes Miteinander aller Einwohner

  3. Nachhaltige Tourismusentwicklung

Diese Ziele wurden durch zehn Leitplanken konkretisiert. Sie betreffen die Themen Mobilität, Wege und Wasserzugänge, Gewerbe, Unterstützung älterer Menschen, Sport und Spielen, Treffpunkte, Ehrenamt und Einwohnerbeteiligung, Wohnraum, den Dialog mit Landwirten, Fischern und Waldbesitzern sowie Naturraum und Klimawandel.

Die Diskussionsergebnisse der einzelnen Stammtische

In der zweiten Hälfte der Veranstaltung wurden dann in vier kleinen Gruppen, den sogenannten „Stammtischen“, einzelne Themen vertieft besprochen. Ungefähr 40 Einwohnerinnen und Einwohner beteiligten sich an den Diskussionen zu den Themen: (1) Bevölkerungsentwicklung, (2) Attraktives Lebensumfeld, (3) Mehr Miteinander sowie (4) Nachhaltige Tourismusentwicklung.

Im folgenden sind die Diskussionsbeiträge der Teilnehmer in den einzelnen Gruppen zusammengefasst. Die Liste zeigt eine große Bandbreite an Erfahrungen und eine Vielfalt von Gedanken und Vorschlägen zur Zukunft unserer Gemeinde. Der Entwicklungsausschuss dankt allen Teilnehmern für ihr großes Engagement. Alle Beiträge fließen ein in die weitere Arbeit an den Entwicklungszielen.

Stammtisch 1: Bevölkerungsentwicklung

Leitfragen und Antworten:

(Frage) In den vergangenen 35 Jahren hat sich die Bevölkerungsstruktur in unserer Gemeinde verändert. Es gibt immer weniger Menschen, die dauerhaft hier wohnen und sie sind im Durchschnitt älter geworden. Sind sie mit dieser Entwicklung zufrieden?

Nein, diese Entwicklung sollte gestoppt werden! Weniger Einwohner bedeutet weniger Geld, weniger Infrastruktur, weniger Angebote

(Frage) Sollte die Gemeinde versuchen, die weitere Bevölkerungsentwicklung zu steuern? Wenn ja, in welche Richtung und zu welchem Effekt?

Ja, die Gemeinde sollte gegensteuern. Wenn die Gemeinde nicht aktiv wird, haben wir keinen Einfluss auf die Entwicklung. Wir sollten die Bevölkerungsentwicklung nicht dem Zufall überlassen.

Wir sollten versuchen die Zahl der Einwohner stabil zu halten und evtl. wieder leicht steigern.

(Frage) Für welche Bevölkerungsgruppen müsste das Lebensumfeld durch die Gemeinde besser und attraktiver gestaltet werden?

Gruppe 1: Die hier lebenden überwiegend älteren Einwohner: Die älteren Einwohner sind die größte Gruppe und sollte deshalb im Fokus stehen. Es sollten Maßnahmen ergriffen werden, um diesen Einwohnern möglichst lange ein gutes Leben bei uns zu ermöglichen.

Gruppe 2: Kinder die hier aufwachsen, sollen hier bleiben: Bisher ist es kaum gelungen junge Familien, die keinen Bezug zu unserer Gemeinde haben, anzusiedeln (z.B. siehe Baugrundstücke Krienke). Die Chance, junge Familien anzusiedeln, die einen Bezug zu unserer Gemeinde haben, ist deutlich größer. Wir sollten prüfen, wie wir diese Gruppe speziell unterstützen können. Beispiele unten.

Gruppe 3: Ältere Menschen sollen sich ansiedeln: Die meisten Einwohner, die in den letzten 20 Jahren zugezogen sind, waren ältere Menschen. Sie passen in unsere Altersstruktur, haben die gleichen Bedürfnisse und Probleme wie die Mehrheit der hier lebenden Einwohner.

(Frage) Welche Vorschläge haben Sie dazu konkret?

Zu Gruppe 1+3:

  • Dienstleistungen temporär in die Gemeinde holen z.B. Bäckermobil, Friseur, Physiotherapie, Fußpflege.

  • Potentielle temporäre Services aktiv unterstützen.

  • Mobilitätsangebote weiter verbessern (Radwege + Rufbus)

  • Alle Services bekannter machen (z.B. Rankwitz App, Aushänge, Veranstaltungen), damit möglichst viele Menschen die Angebote nutzen und sie sich für Anbieter lohnen.

Zu Gruppe 2:

  • Bauen auf dem Grundstück der Eltern für Kinder erleichtern (Scheune oder Dachboden ausbauen, Bauen in zweiter Reihe etc.).

  • Dorfkerne verdichten statt neue Baugebiete ausweisen, Außenbereich in einigen Orten macht wenig Sinn.

  • Wohnraum/Wohneigentum ist eine stärkere Bindung als Arbeitsplatz. 45 Minuten zur Arbeit pendeln ist normal.

(Frage) Sollte die Gemeinde aktiv in die Wohnraumentwicklung eingreifen?

  • Ja, auf jeden Fall!

  • Dauerwohnen stärker fördern

  • Ferienwohnungen/-häuser eher begrenzen

  • Zweitwohnsitze sind perspektivisch interessant. Viele Neueinwohner haben mit einem Zweitwohnsitz begonnen. Nach der Pensionierung oder teilweise früher sind sie fest in die Gemeinde gezogen.

Zum Thema sanfter Tourismus:

Wir sollten den Lieper Winkel nicht für Tagestouristen bewerben. Viele Fahrradtouristen kommen aus den Seebädern, parken ihre Autos hier, konsumieren nichts, lassen ihren Müll bei uns und verhalten sich nicht im Einklang mit unserer Natur.

Stammtisch 2: Attraktives Lebensumfeld

Das waren die Leitfragen:

Es gibt verschiedene Aspekte, die dazu beitragen, das Leben in unserer Gemeinde attraktiv zu gestalten. Dazu gehören: gute Mobilitätsangebote, inklusive Radwege; mehr gastromische Angebote (z.B. Cafés) und Dienstleistungsangebote (z.B. Physiotherapie); gute Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung in der Natur (z.B. Badestellen, Wasserzugänge); Jobangebote; Erhalt unseres Naturraumes, Arten- und Klimaschutz; mehr Angebote für Kinder und Jugendliche; Unterstützung für ältere und alte Mitbürger

  • Wie groß ist der Handlungsbedarf? Gibt es noch andere Aspekte?

  • Welche dieser Aspekte sind die drei Wichtigsten?

Sollte sich die Gemeinde Rankwitz aktiv für Arten- und Klimaschutz einsetzen?

Die Antworten nach Themen:

Mobilität

  • ÖPNV noch weiter ausbauen (Linienbusse und „Bürgerbus“, der privat getragen auch am Wochenende und nachts fährt, ggf. mit Fahrradanhänger).

Verkehr allgemein

  • Wohnmobile werden als Belästigung empfunden. Stellplätze ausweisen, „wildes“ Camping unterbinden.

  • E-Ladestationen anbieten

  • Wege besser pflegen

  • Landwirtschaftlichen Schwerverkehr „in die Schranken weisen“

  • Bürgersteige anlegen

Tourismus

  • Siehe oben bzgl. Wohnmobile und Instandhaltung von Wegen

  • Trinkwasserspender an Wanderwegen

Baurecht

  • Ortskerne verdichten statt Zersiedlung der Landschaft

  • Umwidmung von Gebäuden im Ort erleichtern

  • Bauen/Renovieren in der zeiten Reihe fördern

  • Baurecht für Tiny-Houses erleichtern

  • Wohnraumerhaltungssatzung einführen

  • Keine neuen Ferienhäuser genehmigen

Soziales

  • Katastrophenschutz etablieren (Telefonnummern für Notfälle bekannt machen)

  • Gemeindegebäude bauen als Anlaufpunkt für zwanglose Treffen

  • Pflegeheim/Mehrgenerationenhaus bauen (schafft auch Arbeitsplätze)

  • Hilfe zum Organisieren von Nachbarschaftshilfe

  • Ausbildungshilfe für Jugendliche

  • Essen auf Rädern von guter Qualität

  • Sportgeräte für Erwachsene an den Spielplätzen aufstellen

  • Katzen kastrieren

  • Half-Pipe für Skateboarder bauen

  • Zunehmende Lärmbelästigung bekämpfen (Partys, Jetboote, …)

Wirtschaft

  • Arbeitsplätze in Pflegeheim (siehe oben)

  • Ausbildungshilfen für Jugendliche (siehe oben)

Landwirtschaft

  • Schwerverkehr siehe oben

  • Gülle-Eintrag reduzieren (Grundwasser)

  • Starthilfe für neues Sommercafé am Storchennest

Aktiver Einsatz der Gemeinde für Arten- und Klimaschutz

  • Ja

(Zusatzfrage): Brauchen wir mehr Regulierung in unserer Gemeinde?

  • Ja.

Stammtisch 3: Mehr Miteinander

Leitfragen und Antworten:

(Frage)Wünschen wir uns mehr Miteinander in unserer Gemeinde? Wo gibt es Probleme und Verbesserungsbedarf?

  • Ja, wir wünschen uns mehr Miteinander

  • Verbreitet ist das Problem, im Alltag allein zu sein. Kontakte werden weniger

  • Unvoreingenommene Sichtweise auf den Anderen ist nötig

(Frage) Was könnte helfen, das Miteinander der Menschen in unserer Gemeinde und die Kontakte zwischen den Menschen zu stärken? Was konkret können wir miteinander machen?

Vorschläge für die Förderung von Mehr Miteinander:

  • Dorfläden, Bäderauto, Frauentagsfeier

  • Bessere Kommunikation mit Einwohnern, die Probleme haben

  • Freundlichkeit und nette Ansprache untereinander; Post und Pakete annehmen; ein Auge auf Mitmenschen und Nachbarn haben und im Zweifelsfall zuständige Stellen informieren; Hilfe anbieten

  • Hol- und Bringangebote in den Dörfern; Menschen mitnehmen

  • Rankwitz-App stärker nutzen

  • Jugendtreff wird benötigt (z.B. in Quilitz, Krienke)

  • Pfarrhaus und Pfarrscheune in Liepe nutzen

  • Regelmäßige Einwohnerversammlungen (1-mal jährlich, oder kleinere Versammlungen öfter)

  • Alte Traditionen aufleben lassen: z.B. Rezepte teilen, Tanzabende, Chor/Musik, Spiele

Regelmäßige Kurse/Veranstaltungen anbieten und ggf. mit Fördermitteln finanzieren:

  • Regelmäßige Sport- und Yogakurse

  • Spinnen, Weben, Chormusik, Weihnachtsbäckerei, Einwecken (Heimathof nutzen)

  • Wandertage, Walking, Wanderwege

  • Fahrradtouren (Nutzung von ILSE und Fahrradverleih)

  • Filmvorführungen

  • Freitags: Grillen, Suppen, Reden

(Frage) Gibt es Beispiele aus anderen Gemeinden/Städten, die wir übernehmen könnten?

  • Willkommenskultur verbessern (z.B. Neujahrsempfang)

(Frage) Wie können wir Einwohnerbeteiligung in unserer Gemeinde stärken und zu welchem Effekt?

Das Gespräch mit Landwirten, Jägern und Fischern suchen. Themen sind:

  • Zustand von Hochständen (Wer beräumt sie, wenn sie zusammenfallen? Wer beseitigt den Abfall?)

  • Störung durch Hunde und Katzen

  • Verhalten der Bevölkerung gegenüber Wildtieren

  • Jagdtourismus

  • Sicherung bei Treibjagden

  • Geschwindigkeit landwirtschaftlicher Fahrzeuge innerhalb von Dörfern

  • Feldränder reichen zu weit an den Wald heran

  • Hecken werden weggenommen

  • Wege werden eingeengt

Sonstiges:

  • Thema Regenentwässerung: Regenwasser darf nicht von der Straße auf Privatgrundstücke laufen. Gemeinde sollte eine Bestandsaufnahme im gesamten Lieper Winkel von Stellen machen, in denen es Probleme mit der Regenentwässerung gibt, und damit einen Vorschlag für das weitere Vorgehen machen. Das sollte an den Entwicklungsausschuss gehen.

Stammtisch 4: Nachhaltige Tourismusentwicklung

Folgende Leitfragen waren der Gruppe gestellt worden:

Die Vermietung von Ferienhäusern und -wohnungen ist wirtschaftlich wichtig für viele Einwohner. Andererseits gibt es Stimmen, die fordern, den Bau von weiteren Ferienhäusern und Ferienwohnungen in unserer Gemeind+e zu begrenzen. Wie stehen sie dazu? Was könnte getan werden?

Generell sehen viele die Auswirkungen des zunehmenden Tourismus kritisch. Welches sind die wichtigsten negativen Auswirkungen des Tourismus in der Gemeinde Rankwitz? Wie könnten wir darauf hinarbeiten, dass möglichst viele Einwohnerinnen und Einwohner vom Tourismus in unserer Gemeinde profitieren?

Haben sie Vorschläge, wie ein nachhaltiger Tourismus (ökologisch, wirtschaftlich, sozial) in unserer Gemeinde aussehen könnte?

Die Beiträge und Ergebnisse:

Vor- und Nachteile des Tourismus:

  • Positiv ist die Hafenbebauung mit Gastronomie. Chancen für heimische Firmen und Mitarbeiter.

  • Negativ ist die Tatsache, dass die Dörfer im Winter leer sind, wenn keine Gäste mehr da sein.

  • Gibt es wirklich keinen Widerspruch zwischen den Interessen der Gäste und denen der Einheimischen? Frage muss noch geklärt werden

Vorschläge zur Entwicklung des Tourismus:

  • Der Lieper Winkel wird als naturnahe und nachhaltige Tourismusregion vermarket.

  • Kein Tourismus um jeden Preis

  • Naturtourismus als Alleinstellungsmerkmal: Ruhe, Abgeschiedenheit, Erholung: diese Aspekte sollten als besondere Merkmale erhalten bleiben. Dafür müssen wir einiges tun:

    • Mehr Radwege, auch für jüngere Leute; Radwege zwischen den Dörfern, möglichst wassergebunden

    • Mehr Bade- und Wasserzugänge nötig; Sauberhalten der Badestellen, Toiletten

    • Mehr Angebote für Naturtourismus: „Birdwatching“, „Kräuterwanderungen“, Themenwanderwege, Beobachtungsstationen, geführte Touren, z.B. zu Moorgebieten

  • ­ Kurkarte (Eine Insel, eine Karte) mit ihren vielen Vorteilen

  • ­ Pflege des alten Baumbestandes, z.B. der alten Kopfweiden

  • ­ Pflege der Naturräume, um die Artenvielfalt zu erhalten

  • ­ Gemeindewanderwege wieder beleben - Landwirtschaft soll alte Gemeindewege wieder freigeben

  • Mehr Gastronomie: Die Gemeinde könnte dafür Bedingungen schaffen (günstige Pacht in gemeindeeigenen Gebäuden)

  • ­Mobile Gastronomie im Sommer an gut frequentierten Stellen (Popup Cafés, Bäckerwagen)

  • ­Mehr kulturelle Angebote, u. B. Landart Projekte initiieren

  • Bessere PR: Kommunikation und Bewerbung erleichtern und übersichtlicher gestalten

  • Unterbringungsmöglichkeiten für Personal anbieten, zumindest im Sommer

Thema Touristische Beherbergung:

  • Der Bau neuer Ferienhäuser in der Gemeinde sollte nicht mehr genehmigt werden

  • Es sollten nur noch bestehende Gebäude aus- und umgebaut werden dürfen, auch als Cafe’, Restaurant.

  • Der baurechtliche Rahmen der Gemeinde sollte so weiterentwickelt werden, dass es möglich ist, den Bau neuer touristischer Anlagen Ferienhäuser, Ferienwohnungen zu steuern (Bebauungspläne; Wohnraumschaffung in 2. Reihe ermöglichen; Bebauung im Außenbereich; Umnutzung von Bestandsgebäuden erleichtern)

  • Keine Zersiedelung der Landschaft!

Autorin: Jutta Franz