Bereits 1187 taucht der Lieper Winkel erstmals in einer Urkunde auf. Über viele Jahrhunderte gehörten die meisten Dörfer zum Kloster Pudagla, das das geistliche und wirtschaftliche Leben der Region prägte. Eine Ausnahme bildeten Krienke und Suckow, die dem Rittergut der Familien von Lepel bzw. später von Borcke unterstanden.
Ein markantes Bauwerk des Winkels ist die Kirche in Liepe, die als älteste Kirche der Insel mittelalterliche Wandmalereien beherbergt. Sie war über Jahrhunderte hinweg der zentrale Ort für Gottesdienste und ein spirituelles und soziales Zentrum für die verstreut lebenden Bewohner. Nach der Reformation übernahm das herzogliche Amt die Verwaltung.
Der Dreißigjährige Krieg hinterließ tiefe Spuren: viele Bauernstellen lagen wüst, und die Region wurde von der schwedischen Amtsverwaltung vom Schloss Pudagla aus regiert. Die Bauern mussten dort vier bis fünf Tage Frondienst leisten. In jedem Dorf sorgte ein Schulze, meist der größte Bauer, für Ordnung und die Umsetzung der Vorgaben.
Ein interessantes Detail ist die Grenzlage des Lieper Winkels: Zwischen 1720 und 1815 verlief entlang des Peenestroms die Grenze zu Schwedisch-Pommern. Die nächstgelegene Stadt Lassan lag jenseits dieser Grenze – für die Bewohner bedeutete das einen eingeschränkten Zugang und rechtliche Konflikte. Auch militärische Kämpfe zwischen Schweden und Preußen erreichten den Winkel, etwa in den Jahren 1670, 1713–15 und 1758–59.
Mit dem Ende der Erbuntertänigkeit nach 1850 konnten die Einwohner ihre Grundpflichten ablösen und erstmals eigenes Eigentum an ihren Höfen erwerben. Die Einführung der preußischen Landgemeindeordnung brachte Gemeindeverwaltungen und gewählte Gemeinderäte – der Beginn der kommunalen Selbstverwaltung.
Ein Meilenstein war der Straßenbau im Jahr 1898. Zuvor waren die Dörfer nur über Sandwege verbunden, und die Bewohner nutzten meist Boote, um nach Lassan zu gelangen.
Die Bildung war viele Jahre dezentral organisiert: In Liepe bestand bis 1857 eine Küsterschule, später entstanden staatliche Schulen auch in Warthe (1858–1973), Rankwitz (1893–1974) und Suckow (bis 1970).
Auch die Feuerwehren, gegründet 1903 in Liepe, Rankwitz und Warthe, spielten eine wichtige Rolle. Überliefert ist ihr Einsatz bei Großbränden, etwa 1911 in Warthe, 1935 in Rankwitz und 1931 beim Gutshausbrand in Krienke.
Die politische Entwicklung vor 1945 war geprägt von der frühen Stärke der NSDAP, die bereits vor der Machtergreifung führende Wahlergebnisse auf Usedom erzielte. Im Lieper Winkel gab es eine eigene Ortsgruppe, Ortsgruppen- und Bauernführer bildeten parallele Strukturen zur Gemeindeverwaltung.
Mit dem Einmarsch der Roten Armee 1945 begann eine neue Ära. Neue Bürgermeister wurden eingesetzt, Gemeindevertretungen organisiert, und die Aufnahme zahlreicher Flüchtlinge aus Wollin und Hinterpommern wurde bewältigt. Das Gut in Krienke wurde in 24 Siedlungsstellen aufgeteilt, das Schloss teilweise als Baumaterial abgetragen.
In der DDR-Zeit entstanden LPGs und FPGs, die die bäuerliche und fischereiliche Einzelwirtschaft beendeten. Gleichzeitig wurden neue kommunale Einrichtungen geschaffen, etwa die Ernte-Kita in Rankwitz (ab 1959) und die Gemeindeschwesternstation in Liepe (ab 1976). Die Gemeinden übernahmen nun auch Aufgaben in Kultur und Freizeitgestaltung. Mit dem Zusammenschluss zur Gemeinde Rankwitz 1974 wurde die ehemalige Schule in Rankwitz zum zentralen Gemeindebüro umgebaut.
Die Wende 1990 brachte tiefgreifende Veränderungen: hauptamtliche Stellen wurden abgebaut und kommunale Einrichtungen geschlossen. Doch das ehrenamtliche Engagement blieb stark und mit dem Umbau des alten Gemeindebüros zum Heimathof Lieper Winkel lebt die Geschichte weiter.
Heute ist Rankwitz nicht nur ein Ort mit Vergangenheit, sondern auch eine Gemeinde, die ihre Traditionen pflegt und die Zukunft aktiv gestaltet. Der Lieper Winkel bleibt ein besonderer Flecken Usedom – geschichtsträchtig und voller Charakter.